review: MEMPHIS 1954

Al Cook with Harry and Mike:  

MEMPHIS 1954 ****

Memphis 1954 (2:36)              

Hop,Bop and Ball (2:14)

Rock and Roll Woman (2:14)

Mississippi Man (2:17)

.

Der Rockabilly hat es in Österreich aus verschiedenen Gründen nie leicht gehabt und war immer eine Musik für Minderheiten. Je authentischer und an den Vorgaben der Musik der frühen Fünfziger orientiert, desto geringer war die Chance in den Achtzigern ein an belanglosem Hitparadengedudel  gewöhntes Publikum für authentischen Rockabilly zu begeistern. Al Cook war damals schon ein international bekannter Bluesmusiker, der trotz aller Steine, die man ihm auf Grund seines kompromisslosen Festhaltens an archaischen Bluesformen in den Weg legte, seinen Weg ging. Bevor er jedoch als „Bluesurgestein“ bekannt wurde, interessierte sich der junge Alois Koch für Elvis und zwar für den Elvis der SUN-Records- Ära, der mit dem Elvis der Sechziger und Siebziger so gut wie nichts zu tun hatte. Elvis SUN-Records waren Aufnahmen, die Generationen von Musikern prägten und ohne die eine Entwicklung der populären Musik, wie wir sie heute kennen, undenkbar wäre.

Al Cook wollte diesen Elvis und der Musik der Zeit einem interessierten Publikum zugänglich machen. Nachdem er mit Harry und Mike die Musiker gefunden hatte, mit denen seine Vorstellungen auch umsetzbar wurden, ging es nun darum, einen Tonträger zu produzieren. Glücklicherweise gab es damals mit dem „Jonathan Seagull“ ein Lokal und dessen Besitzer, der ein Ohr für Musik abseits des Mainstreams hatte und der in seinem Lokal eine Heimstätte für die damals entstehende Wiener Rockabillyszene bereitstellte. Bands wie die Torpedos,Strange Cargo oder Papas Hausband waren neben Al Cook acts, denen das „Jonathan“ Auftrittsmöglichkeiten bot. Man entschloss sich, eine Promo EP herauszugeben, die nie im Handel erhältlich war und nur an Fans und Musiker des Jonathan abgegeben wurde. Aufgenommen hat man die vier Titel im Juni 1984 im legendären „Soundbornstudio“ von Gerhard Wessely, der absolut authentisch den 1954er SUN-Sound replizieren konnte. Herausgebracht wurde die EP am 5. Juli 1984, exakt 30 Jahre nach Elvis‘ erster Single „That’s Alright/Blue Moon of Kentucky“.

Die vier Kompositionen von Al Cook unterscheiden sich in ihrer Ausführung grundlegend von dem, was in Großbritannien so an Rockabilly-Revival von Teddyboysbands produziert wurde. 

Memphis 1954 ist vom ersten Ton an echter amerikanischer Fünfzigerjahre-Rockabilly. Al Cook’s Gitarrensound, seine licks, sowie sein Gesang könnten genausogut wirklich im SUN -Studio 1954 aufgenommen worden sein. Auch Harry und Mike (auf einem E-Bass!!!) transportieren diesen Sound problemlos in die Achtziger.

Memphis 1954 ist die Blaupause  für alles, was in Wien an Rockabilly folgen sollte und Al Cook erwies sich wieder als Wegbereiter nicht nur für eine Wiener Bluesszene, sondern auch für den Rockabilly in Österreich.

Auf Grund der geringen Auflage ist diese EP heute ein gesuchtes Sammelobjekt. Das letzte Mal, als ich sie auf einer Schallplattenbörse sah, wollte der Verkäufer tatsächlich 400 Euro für das gute Stück. Sollte man das Glück haben, einem der seltenen Exemplare über den Weg zu laufen und an einem Meilenstein des österreichischen Rockabilly  interessiert zu sein, bitte zuschlagen. Diese Exemplare sind, abgesehen von der musikalischen Bedeutung, wie gute Aktien und steigen im Wert.

Für mich ist „Memphis 1954“ ein Wegbereiter des Wiener Rockabilly und gehört somit in jede Plattensammlung eines an authentischer Musik der Fünfziger interessierten Sammlers. Die einzige Schwierigkeit bleibt jedoch, ein Exemplar zu finden.

(Fritz Weiss)

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