review: JERRY LEE LEWIS – LIVE AT THE STAR-CLUB HAMBURG

JERRY LEE LEWIS

LIVE AT THE STAR-CLUB HAMBURG

Philips P14546 L *****

Seite 1

Mean Woman Blues

High School Confidential

Money

Matchbox

What’d I Say Part 1

What’d I Say Part 2

Seite 2

Great Balls of Fire

Good Golly,Miss Molly

Lewis Boogie

Your Cheatin‘ Heart

Hound Dog

Long Tall Sally

Whole Lotts Shakin‘ Goin‘ On

1964, dem Jahr in dem diese LP erschien, waren für Jerry Lee große Rückschläge und Frustrationen vorausgegangen. 1957 war er just am Höhepunkt seiner Hitparaden-Karriere nach der Heirat mit seiner 13jährigen Cousine in öffentliche Ungnade gefallen und musste in der Folge statt in großen locations in kleinen Clubs zu ebensolchen Gagen auftreten. 1964 war die Welle der Beatlemania gerade im Begriff über die USA und damit auch über die dortigen musikalischen Vorbilder der Beatles hinwegzufegen. Außerdem ließen die Schallplattenverkäufe, trotz hervorragender Aufnahmen zu wünschen übrig. So kam ihm eine Deutschlandtournee gerade recht, bei der jener Hamburger Star-Clubauftritt den Abschluss bildete. Der Star-Club war eine angesagte location, wo schon die Beatles ihre ersten Erfolge feiern konnten. Jerry Lee wurde von der britischen Band The Nashville Teens begleitet. Vom ersten Ton an macht der Killer klar, worum es auf dieser Schallplatte geht, nämlich Rock’n’Roll in seiner ureigensten Art. Der Energielevel ist von der ersten Sekunde so hoch, dass die Band große Mühe hat mit Jerry Lee mitzuhalten. Irgendwie hat man den Eindruck, er treibt seine Musiker vor sich her und die Nashville Teens hecheln irgendwie hinterher. Nach einer kurzen Ansage schaltet Jerry Lee sofort den Turbo zu und liefert eine unglaubliche Version des „Mean Woman Blues“ (am Cover fälschlicherweise mit „I Got A Woman“ angegeben). In der gleichen Art und Weise geht es mit „High School Confidential“ weiter. Bei „Money“ nimmt er das Tempo etwas zurück, nur um bei „Matchbox“ wieder erbarmungslos seine Band vor sich herzutreiben. Publikum und Begleitmusiker müssen sich an diesem denkwürdigen Abend gefühlt haben, als brause ein Hurricane über sie hinweg. Ray Charles „What’d I Say“ wird zu einer Rock’n’Roll- Hymne transformiert bis der Killer mit „Great Balls of Fire“ nachdrücklich demonstriert, wer der „King“ of Rock’n’Roll ist. Ich glaube da lässt er all den Frust der letzten Jahre heraus und erzeugt ein eindrucksvolles Beispiel was Rock’n’Roll ist, und das in einer Zeit in der Musiker, die ihn kopieren wollten oder weichgespülte Teeniestars ein vielfaches Publikum und damit auch vielfache Gagen hatten. Ohne Pause geht’s mit „Good Golly, Miss Molly“ weiter, wo er bei jedem Chorus das Tempo steigert und die Nummer in einem maschinengewehrartigen Stakkato von Textbausteinen beendet. Bei „Lewis Boogie“ hat die Band wieder enorme Schwierigkeiten dem Killer zu folgen, was besonders bei den „breaks“ deutlich wird.

Den Hank Williams-Hit „Your Cheatin Heart“ nutzt er, um zu zeigen, dass er einen „Honky Tonk Weeper“ genauso überzeugend abliefern kann, wie seine Rocknummern. Mir persönlich gefällt bei dieser Nummer sein Klavierspiel besonders gut, da hier nicht nur Energie und Kraft, sondern auch „feeling“ und eine ihm oft abgesprochene Klaviertechnik deutlich wird.

„Hound Dog“ und „Long Tall Sally“ sind dann wieder absoluter „Power Rock’n’Roll“

Die Platte endet mit einem der größten Hits von Jerry Lee, nämlich „Whole Lotta Shakin‘ Goin On“ Er steigert den song von Chorus zu Chorus zu einem orgiastischen Ende und hinterlässt ein tobendes Publikum, das man verstehen kann, nachdem man diese unglaubliche Schallplatte gehört hat.

„Live at the StarClub“ erschien auf einer deutschen Philipspressung und war in Amerika so nicht erhältlich. Jerry Lees  damaliges Label „Smash“ veröffentlichte „The Greatest Live Show On Earth“, was aber nicht den Tatsachen enspricht, denn die lieferte Jerry Lee an diesem denkwürdigen Abend in Hamburg.

Mittlerweile ist die Schallplatte einige Male wieder aufgelegt worden und jeder Sammler von Rockmusik sollte sie in seinem Plattenschrank stehen haben. Für mich ist das die beste Live LP aller Zeiten und verdient glatte fünf Sterne.

Fritz Weiss

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