Nachkriegskindermoden

Zeitzeugs Teil 1

 

Nachkriegszeit: Selbst ist die Frau. Stoff ist Mangelware, zwangsläufig wurden die Röcke ein klein wenig kürzer.

In den 50er Jahren waren unsere Mütter modisch beglückt: Es gab wieder Stoffe! Jenseits gewendeter Militärmäntel und Fallschirmseidenkleider (nur zu festlichen Anlässen) zeigte ihnen Dior wie´s geht: Unter 7 Meter Stoff nix zu machen!

Kleider, die die – oft unfreiwillig- schmalen Taillen zeigten, Röcke, die beim Drehen wie segelnde Teller schwangen, Herzausschnitte, bunte Sommerdrucke mit Pudeln und klatschrote Rosen auf Pikee…es war ein einziges, modisches Aufatmen. Tanzen daheim zu Musik aus dem Minerva-Radio, Marillenlikör und unglaublich viele Zigaretten…ich lag nebenan im Kinderzimmer und konnte nicht schlafen.

Der kleine Wohlstand hält Einzug. Während die Erwachsenen den „Flieder im Prater“ wachsen hören, wird das Radio (der Kasten unter der Lampe) auch für deren Kinder zum Draht in die Welt respektive zu Bill Haley.

Wir Mäderln hatten die selbe Mode zu tragen, nur in kleiner. Kindermode gabs damals nicht.

Ponytail hoch getragen, Audrey macht´s vor.

Als Backfische wussten wir dank Amerika und Peter-Krausfilmen was zu tun war. In Verachtung der Hausfrauenkleider ein erstes Aufmucken, statt Zöpfen Roßschwanz und Ponyfransen (selbst geschnitten). Die erschütterte Familie wurde mit einem ungeheuerlichen Wunsch nach einem Pettycoat konfontiert. Als Taschengeldbezieherin war ich abhängig von der finanziellen Güte der Eltern. Nach langen Diskussionen konnte ein Onkel sie überzeugen, dass „das Kind“ so etwas unbedingt zum Erwachsenwerden braucht. Das starre Nylonding hatte kein langes Leben. Es wurde von meiner Mutte zu Tode gebügelt. 

Dann eben die neue Hose auf Capri abgeschnitten, ein Leiberl dazu, quergeringelt, ein Perlon- Chiffontuch in vorgeschriebener Wickeltechnik um Kopf und Hals- und schon war ich bereit mit Rex Gildo auf der Vespa nach Grado zu brettern.

Brigitte Bardot in Caprihosen, Cannes 1955 (pinterest.fr)

Brigitte Bardot brachte die femme fatale in die Mädchenzimmer. Schwarze Augenbrauenbalken (Mutters Brauenstift), angespuckte Wimpernsteine mit Bürstchen (Maybelline) und rosa Lippenstift in pastoser Konsistenz…was waren wir schön. Alles natürlich verboten, denn Vater meinte: „Das brauchst du nicht, du bist jung.“ Da gab´s Gott sei Dank wieder jemand Verständnisvollen: Die aparte Verkäuferin in der Parfumerie auf der Brandstätte. Mutter kaufte Palmolive- und Luxseife, schnupperte an Chat noire, dem Eau de Cologne mit der buckelnden Katze und ich bekam winzig kleine Probelippenstifte zugesteckt. Die Röcke wurden enger genäht, die kleinen Brüstchen hochgeschnallt und angespitzt und Ausschnitte mit Klipsen vertieft.

 

Dann trat eine andere Brigitte in mein Leben: Die Frauenzeitschrift  mit den 14tägigen DIY- Nähanleitungen. Ich zerschnitt (dann schon ungefragt) Kleider und Pullover um sie unbeholfen wieder schräg zusammenzusetzen, kappte Ärmel, schnitt Uboot- Ausschnitte und sass, wie Kohorten anderer Sechzehnjärige, mit den ersten, heiligen Jeans in der Badewanne. Das Am-Rücken-liegen am Boden um sie anzuziehen war nötig, sonst hätt ma den Zipp nicht zu gekriegt. Erstmals ein Hosenreißverschluß nicht an der Seite!

In jedem Schaufenster musste ich kontrollieren, ob die Hose noch keine Beulen um den damals noch knackigen Popo warf.

Es wurde französischer: Chansons von Francoise Hardy lösten Bill Haley´s („Mach das leiser, was ist das für ein schrecklicher Lärm!?“) Boogies ab. Wir trugen einheitlich schwarze Rollkragenpollover, da konnte es noch so warm sein, lasen Beauvoire, ummalten uns die Augen schwarz. Der Roßschwanz wich einem Kurzhaarschnitt mit langen Sechsern, die ich nachts mit Tixo auf den Wangen festklebte, damit sie am Morgen wieder wippten.

Eine andere Ära war angebrochen, die erst wieder von Jimmy Hendrix beschleunigt wurde. „Was, um Himmels willen, ist das für ein Lärm?“

Sixties, so richtig.

(Susi)

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