JOHNNY BURNETTE and the ROCK´N ROLL TRIO

(CORAL CRL 57080)

(Bild: discogs.com)

Side 1 

Honey Hush 

Lonesome Train

Sweet Love on my Mind

Rock Billy Boogie

Lonesome Tears in my Eyes

All By Myself

Side 2

The Train Kept A-Rollin‘

I Just Found Out

Your Baby Blue Eyes

Chains of Love

I Love You So

Drinkin‘ Wine Spoo-Dee-O-Dee

Vor mir liegt der „Heilige Gral“ der meisten Rockabilly Schallplattensammler, nämlich die Johnny Burnette and the Rock’n‘ Roll Trio LP von 1956. Noch ein kurzer Blick, ob es sich um ein wertvolles Original oder eine der zahllosen Repros dieser legendären LP handelt. Ja, es ist ein Original, denn die Identifikationsnummer in der Auslaufrille is „machine stamped“ und nicht „hand etched“ wie bei den Repros. Bei einem Preisunterschied von etwa 1000 Euro ist das ein nicht unwesentliches Detail.

Was macht nun diese Schallplatte zu so einem begehrten und damit teuren Kultobjekt?

Johnny Burnette und sein Bruder Dorsey gelten als die „bad boys“ des Rockabilly, weil sie schon in ihrer Jugend an keiner Schlägerei vorbeigehen konnten. Im Gegensatz zum eher gesitteten Elvis, der in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft in Memphis wohnte und den sie seit Kindheitstagen gut kannten, waren die Burnettes so etwas wie Punks, obwohl es damals Anfang der 50er diesen Begriff noch nicht gab. In einem Boxklub lernten sie auch Paul Burlison kennen, der den Job des Leadgitarristen übernahm und dessen Spielweise perfekt zur Attitüde der Burnettes passte. Laut einer Legende soll auch der Name „Rockabilly“ auf die Burnettes zurückgehen, da Johnny seinen Sohn „Rocky“ und Dorsey seinen Sohn „Billy“ nannte. Der den Kindern gewidmete Song „Rock Billy Boogie“ wurde dann zur Bezeichnung der gesamten Musikrichtung. Ob Legende oder Wahrheit bleibt jedem selbst überlassen zu beurteilen. 

Nachdem Elvis mit seinen Veröffentlichungen bei Sun Records im Süden beachtliche Erfolge erzielen konnte, versuchte auch das Trio bei Sam Phillips zu landen, der sie jedoch nicht produzierte, da sie ihm zu sehr nach Elvis klangen und den hatte er ja damals schon. Sie versuchten es darauf in New York, wo sie dreimal in Folge einen Talentwettbewerb gewinnen konnten und kurz darauf von Coral Records, einem Sublabel von Decca unter Vertrag genommen wurden. Es wurden Singles und auch die heute so gesuchte LP produziert. Die Aufnahmen wurden teils in New York im Pythian Temple Studio produziert, wo auch schon Bill Haley seine Hits auf Decca aufnahm, als auch in Nashville. Es wurden Eddie Gray, eigentlich ein Big Band -Schlagzeuger, und Grady Martin an der Gitarre dazu genommen. Der Legende nach soll in Paul Burlisons Verstärker der Lautsprecher den Geist aufgegeben haben und einen verzerrten Klang produziert haben (heute würde man overdrive oder distortion je nach Verzerrungsgrad dazu sagen). Da dieser sound aber so gut zum aggressiven Rockabilly der Band passte, beließ man ihn und kreierte damit einen neuen, unverwechselbaren Gitarrenklang.

Seite 1 beginnt mit „Honey Hush“ einem Joe Turner Titel auf Atlantic, der mit seinen charakteristischen Oktavriffs auf der Gitarre sofort das Interesse weckt. Johnny Burnettes Gesangsstil, der Gitarrensound und der unglaubliche drive, kombiniert mit Aggressivität geben alles noch Folgende vor.

Neben Eigenkreationen wie „Rock Billy Boogie“ oder „Lonesome Tears in my Eyes“ bestechen vor allem die Covers durch Bearbeitung des Trios. Ein eher gemütlicher Fats Domino Titel wie „All By Myself“ wird in der Interpretation des Trios zum Rockabillykracher.

Seite 2 beginnt mit einem Cover von Tiny Bradshaws „The Train Kept A-Rollin“. Dabei wird aus einem Jump Blues mit Bläsersatz und allem „Drum und Dran“ eine Rockabillyhymne, die von zahllosen Bands gecovert wurde. Ebenso wurde „Drinkin‘ Wine…“, ein R&B Titel von Stick McGhee, interpretiert. Die Mischung von „originals“ und in unverwechselbaren Stil des Trios interpretierte „covers“ machen unter anderem den Reiz dieser Platte aus. 

Die Burnette-Brüder sahen in der Folge allerdings im songwriting für populärere Musiker (z.B. Ricky Nelson) mehr berufliche Perspektive als im Veröffentlichen eigener Aufnahmen. Schon bald nach der Veröffentlichung dieses LP-Meilensteines des Rockabilly trennte sich die Band und Johnny Burnette versank im streichergetränkten Schlagersumpf von Liberty, konnte jedoch mit „Dreamin’“ und „You’re Sixteen“ Hits landen, was ihm mit dem Trio nicht gelungen war. Dorsey Burnettes Karriere verlief weniger spektakulär und Paul Burlison zog sich zurück bis er in einer Rockabilly Revival Band wieder tätig wurde. 

Obwohl das damalige Publikum die Bedeutung und den Einfluss auf kommende Rockmusik nicht erkannte, gilt diese LP unter Rockabillyfans als der „Heilige Gral“ und sollte zumindest als eine der zahlreich erschienenen Repros in jeder Sammlung eines an dieser Musik interessierten Schallplattensammlers zu finden sein. Originale werden nur äußerst schwierig und unter massiver Belastung des Bankkontos realisierbar sein.

(Fritz Weiss)

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