Rock – Shop

Viel wurde schon geschrieben und geklagt von Wien als „Wüstengegend“ was authentischen Rock’n’Roll und Rockabilly anbelangt. Diejenigen, die diese Musik „live“ erlebt haben, gehen langsam den Weg alles Irdischen und Nachwuchs, der an dieser Musik in ihrer ursprünglichen Form interessiert ist, ist leider sehr wenig vorhanden. Das spiegelt sich natürlich auch in den Bezugsquellen für diese Musik wieder. Als  ich Vinyl zu sammeln begann, es war in den 60ern des vorigen Jahrtausends, gab es jede Menge an Schallplattenläden, in denen man die gängigen Exemplare fand und einige, die auch seltene Importware aus England oder Amerika anbieten konnten.

Radio Kratz in der Mariahilferstraße oder Schallplatten Brigitte waren solche Highlights im Musikantenstadldschungel von Wien. Diese Läden lebten von der Begeisterung der Verkäufer und Kunden für die Musik. Natürlich gehören in diesem Zusammenhang auch die kleinen, aber feinen shops von Karl Mahel oder Peter Amesmann erwähnt.

Ein Sonderfall war Rudi Veigls „BimBam Records“ in der Lessinggasse. Er importierte Originale in allen Formaten, vorerst ausschließlich auf Vinyl. Im BimBam konnte man rare Originale aus der Blütezeit des R&R erwerben, vorausgesetzt man konnte oder wollte die manchmal stolzen Preise bezahlen, oder man hatte Interesse an Platten auf die der Rudi so gar nicht stand. Ich habe meine rarsten und heute teuersten DooWop Singles bei ihm erhalten (der Rudi hat halt nichts für das „Gewinsel“ übrig gehabt).

Das „letzte gallische Dorf“ befindet sich schräg gegenüber von Rudis altem BimBam Shop in der Taborstraße 70. Leo Penzenauers Rock-Shop ist heute in Wien das letzte Schallplattengeschäft, das hauptsächlich Vinyl (neben zahlreichen CDs) aus dem Bereich 50er und 60er Jahre führt.

Alles an diesem Laden ist stimmig, denn er liegt weder in der noblen City, noch in einem angesagten Bobo-Bezirk, sondern in der Leopoldstadt im Bereich ehemaliger Nordbahnhof und Pratersternnähe, also Rock’n’Roll pur. Leicht wäre das kleine Geschäft zu übersehen, gäbe es nicht die klassische „Wühlkiste“ vor dem Eingang und den Hinweis „Rock’n’Roll Spezial-Schallplatten“ über dem Eingang. Betritt man das Rock-Shop ist man sofort in einer anderen Welt. Im engen Verkaufsraum gibt es eine Unmenge von Vinyls, zum Großteil aus den 5oern oder 60ern. Man würde Tage brauchen, um nur halbwegs einen Überblick über dieses Angebot zu bekommen (oder wie ich Stammkunde zu sein und regelmäßig vorbeizuschauen). Neben Repros aus verschiedensten Stilrichtungen (R&R, Blues, Country, DooWop, etc…) gibt es auch jede Menge Originale aus dieser Zeit zu angemessenen Preisen. Einer der Gründe, warum ich über 30 Jahre den Laden besuche, sind die realistischen, nicht überzogenen Preisvorstellungen von Poldi Penzenauer. Seine Tarife richten sich nicht nach persönlichen Präferenzen, sondern liegen fast immer im Bereich der gängigen Priceguides.

Ein wesentliches Plus des Rock-Shop ist natürlich der Umstand, dass der Besitzer Ahnung von der Musik, die er verkauft, hat und sich das im Angebot widerspiegelt. Nirgends sonst (außer im Internet) konnte ich Vinyls vom schwedischen Kultlabel „Tail-Records“ erwerben, der Poldi hatte sie im Programm. Auch die Produktionen von Walter Friedingers „Plan 9 Thrash Records“ kann man bei ihm erstehen. „Plan 9“ fördert österreichische Rockabillykultur unter anderem durch die bereits zum Kult gewordenen „Schnitzelbilly“-Sampler.

Immer wieder trifft man nicht nur Vinylsammler, sondern auch Musiker im Rock-Shop. Ich habe dort sogar einmal den leider kürzlich verstorbenen Joey D‘ Ambrosio (erster Saxophonist von Bill Haley) getroffen. Nachdem wir einmal miteinander gejammt hatten, erinnerte er sich sofort wieder an mich und wir fachsimpelten über Musik, wie sie sein sollte und nicht sein sollte. Für mich war das wieder einmal die Bestätigung, dass die wirklich „Großen“ keine Allüren brauchen, um sich noch größer erscheinen zu lassen. Ich habe selten so einen liebenswerten und natürlichen „Star“ getroffen wie Joey.

Man kann nur hoffen, dass es solche Spezial-Schallplattenläden wie den Rock-Shop noch länger gibt, wo es Rockin‘ Records abseits vom „Mainstreampopgedudle“  zu kaufen gibt. Denn trotz des wieder auflebenden Vinylbooms kann man in den Media oder- sonstwie Märkten fast ausschließlich „Nicht Rockabilly- Kompatibles“ finden.

Wer also Interesse an Musik aus den 50ern und 60ern hat, sollte ruhig einmal in der Taborstraße 70 vorbeischauen, einen „kultigeren“ und authentischeren Schallplattenladen wird er in Wien nicht finden.

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 09.00 – 12.00 und 14.00 – 18.00
Samstag 09.00 – 12.00 
A- 1020 Wien, Taborstrasse 70
Telefon / Fax: 01/216 89 93
e-M@il: office@rock-shop.at

mehr infos… 

(Fritz Weiss)

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